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Montag, 4. Februar 2013

Endlich: "Stürmische Leidenschaft" auf DVD

Es ist wohl kein Geheimnis, dass Emily Brontës Roman "Sturmhöhe" (Wuthering Heights) zu meinen absoluten Lieblingsklassikern zählt (klick). Als Filmliebhaber war ich natürlich auch lange Zeit auf der Suche nach einer adäquaten Verfilmung dieses Klassikers. Besonders reizvoll erschien mir immer schon die Kinoverfilmung mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche.


Obwohl diese 1992 unter dem Titel "Stürmische Leidenschaft" auch hierzulande in den Kinos lief, blieb dem Film bislang leider eine DVD-Auswertung verwehrt. Umso erstaunter war ich, als ich letzten Freitag tatsächlich bei Amazon eine deutschsprachige DVD entdeckte.
Ganz nach dem Motto "Was lange währt, wird endlich gut" hat sich die in Wien ansässige Vertriebsfirma winklerfilm diesem Kleinod angenommen und zwanzig Jahre nach der Kinoauswertung endlich auf DVD herausgebracht.


Regisseur Peter Kosminsky ist mit „Stürmische Leidenschaft“ ein unglaublich dichter und atmosphärischer Film gelungen, der es versteht seine Zuschauer umgehend zu fesseln. Die verhängnisvolle Liebesgeschichte um Cathy und Heathcliff erzählt er in wundervollen Bildern, die ganz den naturmythischen Schilderungen der Romanvorlage entsprechen. Düstere Wolkenformationen kündigen bereits den tragischen Fortgang der Geschichte an. Die gelungene Filmmusik des Japaners Ryuichi Sakamoto untermalt diese Bilder perfekt und sorgt besonders mit ihrem von Streichern dominierten Hauptthema für Gänsehaut.

Ralph Fiennes liefert noch vor seinem endgültigen Durchbruch mit "Schindlers Liste" eine beeindruckende Leistung ab und ist nicht nur optisch der perfekte Heathcliff. Die Chemie zwischen ihm und seiner Filmpartnerin Juliette Binoche ist hervorragend, was beide vier Jahre später auch nochmal in "Der englische Patient" unter Beweis stellen konnten. Binoche selbst überzeugt in einer Doppelrolle als Cathy Earnshaw und Catherine Linton. Absolut gelungen ist auch die Rahmenhandlung mit Sinéad O'Connor (!) als Emily Brontë.


Einziges Manko des Films ist seine schnelle Erzählweise, die der relativ geringen Laufzeit geschuldet ist. Immerhin beschränkt sich die Verfilmung nicht wie so viele andere auf die erste Romanhälfte, sondern erzählt auch die Begebenheiten um die Kinder-Generation. Für Nicht-Kenner der Vorlage dürften viele Ereigniss somit aber nur schwer verständlich sein.

Optisch ist die DVD sehr schön aufgemacht, komt jedoch ohne Extras daher. Ein dickes Lob gebührt winklerfilm aber allemal dafür, dass sie diese tolle Literaturverfilmung endlich zugänglich gemacht haben.

Samstag, 6. Oktober 2012

Junge, wie die Zeit vergeht...

Bilder via EW.com
Die aktuelle Ausgabe der amerikanischen Zeitschrift "Entertainment Weekly" bringt uns  die Helden unserer Jugend zurück. In der so genannten Reunions Issue treffen die Stars aus Filmen wie "Clueless" und "Some Kind Of Wonderful" oder auch Serien wie "Melrose Place" wieder aufeinander. Sehr spannend wie ich finde. Besonders Cher und Dionne aus "Clueless" sind noch echte Bettys (um mal den Slang des Kultfilms aufzugreifen), während Herzensbrecher Christian irgendwie zum pummeligen Staubsaugervertreter geworden ist.
Der Cast von "Melrose Place" kann sich ebenfalls noch größtenteils sehen lassen. Älter sind sie jedenfalls alle geworden. Auch wir, die wir mit ihnen groß geworden sind.




Sonntag, 19. August 2012

Magic Mike: Mehr als nackte Tatsachen


Als Demi Moore uns 1996 mit "Striptease" ins Erotikgewerbe entführte waren die Kritiken verheerend. Bei Steven Soderberghs "Magic Mike", der in der letzten Woche bei uns anlief, sieht das überraschenderweise ganz anders aus. Waren Filme über das Strippen in Folge des Demi Moore Desasters lange Zeit verpöhnt, wird nun ausgerechnet ein Film über sich entblätternde Männer zum Erfolg bei Publikum und Kritikern. Und tatsächlich: Wer sich den Film ansieht erkennt schnell, dass "Magic Mike" weit mehr zu bieten hat als nackte Tatsachen.

Der erste Anreiz ist klar: Hollywoods schönste Typen (Channing Tatum, Matthew McConaughey, Matt Bomer, Joe Manganiello und Alex Pettyfer) lassen die Hüllen fallen und so fand sich auch meine Kino-Crew zunächst zur munteren Fleischbeschau ein. Auch in dieser Hinsicht enttäuscht der Film keinesfalls. Massig Tanzszenen und die mikroskopische Bekleidung der Darsteller wissen durchaus zu gefallen und lockern den Film auf. Hierin liegt wohl in erster Linie auch der Erfolg beim Publikum begründet. Nicht zuletzt bleibt der Film aber auch ein Steven Soderbergh-Film und schlägt zwischen Lapdance und Latex-Tanga mitunter auch  ernstere und leise Töne an. In der Mischung weiß das sehr zu gefallen und stellt den Film auf eine Stufe mit Klassikern wie "Boogie Nights" (der sich ja ebenfalls mit dem Erotikgewerbe auseinandersetzte). Das wiederum stellt die Kritiker zufrieden.


Alex Pettyfer spielt Kid, der von Mike (Channing Tatum) ins Stripper-Gewerbe eingeführt wird. Zunächst locken wie immer schnelles Geld und schöne Frauen, später locken ihn aber vor allem Drogen und Alkohol. Mike selbst fragt sich derweil ob er sich auch jenseits der 30 noch entblättern will oder ob das Leben vielleicht noch mehr zu bieten hat. Fragen, die Kids Schwester Brooke (Cody Horn) ihm in den Sinn ruft. Das zarte Liebelei der beiden ist besonders romantisch, weil sie absolut unromantisch inszeniert wird und durchaus problembehaftet ist. Wie so oft sind es die kleine Gesten, Blicke und das Unausgesprochene, was hierzu beiträgt. Letztlich ist der Film somit die perfekte Mischung aus humoriger Komödie und ruhigem Kino mit Arthouse-Qualitäten. Einzig das Ende kommt etwas plötzlich, erscheint im nachhinein allerdings logisch gesetzt.
Ein zweiter Teil soll folgen. Die DVD wird gekauft.

Montag, 19. März 2012

Spieglein, Spieglein...Hollywood im Grimm-Jahr 2012

In diesem Jahr heißt es 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Ein Jubiläum, dass nicht nur in Deutschland und in Grimm-Städten wie Hanau oder Marburg ausgiebig gefeiert wird. Auch Hollywood setzt 2012 verstärkt auf den Geschichten-Fundus der berühmten Märchensammler.
Gleich zwei Adaptionen ihres wohl bekanntesten Märchens "Schneewittchen" erwarten uns in den kommenden Wochen aus der Traumfabrik. Und auch im Serien-Bereich erleben die Grimms ein Revival. Zeit, um einmal zu fragen: "Spieglein, Spieglein an der Wand - welche Umsetzung überzeugt uns denn am meisten?"


"Der Herr der Ringe" meets "Schneewittchen". Treffender kann man den epischen Film "Snow White and the Huntsman" von Regisseur Rupert Sanders wohl kaum bezeichnen. Für mich trägt dieser Film überraschenderweise den Sieg im Rennen um die wohl beste Adaption davon, obwohl ich mir bei den ersten Bildern noch nicht so recht vorstellen konnte, wie gut diese Umsetzung wohl funktionieren würde. Der erste Trailer hat mich aber vollkommen überzeugt. Ein interessanter Twist, die böse Königin und ein vom Schicksal auserwähltes Schneewittchen gegeneinander antreten zu lassen. Kristen Stewart wird sich so unter Umständen von ihrer Bella-Rolle freispielen, Charlize Theron wirkt schon im Trailer unglaublich überzeugend und "Thor" Chris Hemsworth passt auch prima rein. Abgerundet wird alles durch unglaublich schöne Effekte. Das Bad der Königin in der Milch-artigen Substanz und der magische Spiegel, der sich aus flüssigem Gold verfestigt haben mir schon jetzt die Sprache verschlagen.


Weniger überzeugt hat mich die knallig-bunte Slapstick-Version "Spieglein, Spieglein" von Regisseur Tarsem Singh. Warum? Julia Roberts ist sicherlich unglaublich ulkig in der Rolle der bösen Königin, doch hat man schon bessere Varianten der Rolle gesehen. Man erinnere sich an Susan Sarandon in "Verwünscht" oder Helena Bonham Carter in "Alice im Wunderland". Alle diese Rollen sind ähnlich angelegt gewesen, weshalb nur Julia Roberts Singhs Film für mich nicht tragen kann. Leider scheinen alle anderen Elemente des Films völlig nebensächlich zu sein. Die Gags sind abgedroschen. Hat es da wirklich ein "SchneeFlittchen"-Witz in den Film geschafft? Der Prinz und ein Liebestrank für Hunde? Optisch erinnert der Film sehr an Burtons "Alice", obwohl der "Alice"-Produzent tatsächlich für die Kristen Stewart-Variante zuständig war. Fazit: Muss ich nicht im Kino sehen. Für einen netten DVD-Abend könnte es ausreichen.

Nun noch zu den Umsetzungen im Serienformat. Bereits im letzten Herbst starteten die zwei Networks ABC und NBC zwei Serien mit Grimm-Bezug, die wohl demnächst auch bei uns anlaufen werden. "Once upon a Time" und "Grimm". Hier scheinen tatsächlich beide Serien vielversprechend. Bei ersterer überzeugen, die Beteiligung des Teams um die Serie LOST, die Besetzung mit Ginnifer Goodwin und der Handlungstwist, dass Dinge, die sich in der Märchenwelt zutragen auch Auswirkungen auf das Hier und Jetzt haben. Bei "Grimm" überzeugen die Beteiligung des Teams um "Buffy" und "Angel" sowie die düstere Atmosphäre. Hier lohnt wohl in beiden Fällen ein Blick.


Dienstag, 6. März 2012

Edel geht die Welt zugrunde


Aus der Kategorie "Filme, die keiner gesehen hat" stammt Angel - Ein Leben wie im Traum aus dem Jahr 2007. Der Film von Regisseur Francois Ozon handelt vom raschen Aufstieg und ebenso schnellen Fall der Kitschbuchautorin Angel Deverell. Passend zum Thema präsentiert auch das filmische Bild opulenten Kitsch in Perfektion.

Aufmerksam wurde ich auf diese Perle durch Hauptdarstellerin Romola Garai, mit der man in letzter Zeit verstärkt rechnen muss und die mich als Jane Austens "Emma" vollends überzeugt hat. Als ich dann auch noch las, dass die männliche Hauptrolle von Michael Fassbender verkörpert wird, war die DVD bestellt. Überzeugt mich dieser doch auch zunehmend von seinem schauspielerischen Talent.
Hinzu kommt, dass ich im Rahmen meines Examens auch das Thema "Kitsch-Diskurse" behandle. Ein Thema, das mit Ozons Film quasi seinen Weg auf die Leinwand findet.

Besonders der literarische Kitsch steht seit jeher unter dem Vorwurf, er habe nichts mit der Realität zu tun und erzeuge stattdessen eine Art Traumwelt, die dem Konsumenten als Mittel zur Flucht aus dem Alltag dient. Ein Kritikpunkt, mit dem auch Ozons Film spielt, indem er zeigt, wie sich Kitschbuchautorin Angel mehr und mehr in ihren eigenen Traumwelten verliert. Ihre Kindheit in ärmlichen Verhältnissen leugnet sie dabei ebenso konsequent, wie andere biografische Mängel. Statdessen erzählt sie fantasievolle Geschichten, wie etwa von adeligem Blut, dass angeblich in ihren Adern fließt. Durch den Erfolg ihrer Romane kann sie sich schließlich einen ausschweifenden Lebensstil mit allem Luxus leisten. Ein Grund mehr, die dunkle Vergangenheit zu verneinen. Die neue Villa heißt bedeutungsschwanger schlicht "Paradise".
In dem verarmten Maler Esmé glaubt Angel schließlich auch ihre große Liebe gefunden zu haben und heiratet ihn. Der Bohemien fühlt sich in Angels Fantasiewelt jedoch zunehmend gefangen und eingeengt. Angel wiederum beginnen die Bilder ihres Mannes zu missfallen, da sie die bunten Farben vermissen lassen, in denen sie ihre Welt sieht.



Als schließlich der Krieg ausbricht und Esmé sich verpflichten lässt kommt es zum endgültigen Bruch des Paares. Der Krieg passt nicht in Angels vom Kitsch geprägte Welt - alle Gedanken daran will sie von sich fernhalten. Die Verpflichtung ihres Mannes versteht sie nicht. Als Esmé schließlich aus dem Krieg heimkehrt ist auch er nicht nur körperlich verändert.
Am Ende des Films steht letztlich die Erkenntnis, dass auch die schönsten Träume nicht ewig  Bestand haben und mit zunehmender Erfolglosigkeit als Schriftstellerin (in Zeiten des Krieges ist den Leuten nicht mehr nach Kitsch) fällt auch Angels Traumwelt Stück für Stück auseinander...

Romola Garai und Michael Fassbender überzeugen in den Hauptrollen ebenso wie Sam Neill und Charlotte Rampling in Nebenrollen. Besonders Garai zeichnet das Bild einer Frau, die man zwar für viele ihrer Wesenszüge verabscheuen mag, die jedoch ebenso modern und bewundernswert erscheint, da sie ihre Träume verwirklichen konnte.

Optisch ist Angel - Ein Leben wie im Traum ein wahrer Augenschmaus: Viel Kostüm, viel Chi-Chi - kurzum viel Kitsch. Letztlich wird auf diese Weise aber die Aussage des Films verstärkt. Und so titelte schon der Spiegel äußerst passend: "Ein virtuos geschmackloser Film!"

Montag, 16. Januar 2012

Der Stummfilm im 21. Jahrhundert


Retro ist das Stichwort dieser Tage. Sei es in der Musik, wo Lana del Rey optisch an vermeintlich bessere Tage anknüpft oder in der Mode, wo man momentan erneut in den 90er Jahren wildert. Dass sich das Kino allerdings bis zur Stummfilmzeit zurück besinnt und mit The Artist von Regisseur Michel Hazanavicius tatsächlich ein solcher Stummfilm im Januar 2012 anläuft, mutet beinahe schon revolutionär an.

Im Rahmen meines Studiums habe ich mich auch ausgiebig mit diesen ganz frühen Filmen beschäftigt und mich (im Gegensatz zu meinen Kommilitonen) von ihrer ganz eigenen Ästhetik begeistern lassen. Es gibt wohl kaum einen Film mit Stummfilm-Königin Asta Nielsen, den ich nicht gesehen habe. Der Film The Artist scheint jedenfalls genau den Zeitgeist zu treffen und erntet fleißig wichtige Filmpreise und euphorische Kritiken. Das frühe Kino hat ja schon damals die Leute abgelenkt und politische und wirtschaftliche Krisen vergessen lassen, eine Masche, die noch heute zu funktionieren scheint.
Mit Jean Dujardin hat man scheinbar einen Darsteller gefunden, der schon mit seinem charismatischen Auftreten überzeugt und ohne große Worte, sondern allein über seine Mimik, eine Geschichte von schnellem Ruhm und tiefem Fall erzählen kann.

Der Trailer macht in jedem Fall große Lust sich auf dieses spannende Kinoexperiment einzulassen.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Wunschzettel: John Hughes High School Year Book


Quasi in letzter Minute ist noch ein Geschenk auf meinem diesjährigen Wunschzettel gelandet, auf das ich mehr oder weniger durch meine Magisterarbeit gestoßen bin: Die DVD-Box "John Hughes High School Year Book", die drei der beliebtesten Jugendfilme des bekannten Regisseurs beinhaltet.

Erst mit den Filmen des Regisseurs John Hughes hat sich der (amerikanische) Jugendfilm in den 1980er Jahren zu einem eigenständigen Genre entwickelt. Zwar weisen auch schon einige Filme ab den 1950er Jahren Themen und Motive auf, die auch den heutigen Jugendfilm auszeichnen, doch hat erst John Hughes jene Gestaltungskonventionen und Figurentypen entwickelt, die heute als nahezu unumstößlich und gattungstypisch gelten.
Besonders in seinem Film "The Breakfast Club" (1985) kommen alle von ihm geprägten Figuren, wie die Schulkönigin, der Sportler, der Nerd und der Rebell, zusammen. Spätere Filme greifen diese Typen wiederum auf und arbeiten mit ihnen. Die jungen Schauspieler wurden zur Entstehungszeit der Fime große Teen-Idole und waren als das "Brat Pack" bekannt. Besonders Molly Ringwald, die in mehreren John Hughes Produktionen spielte, wurde zum Inbegriff des amerikanischen Teenagers.


Die Box, die nur in Amerika und England erschien, umfasst die Filme "Sixteen Candles" (1984), "The Breakfast Club" (1985) und "Weird Science" (1985). Zudem gibt es noch über zwei Stunden Bonusmaterial und eine insgesamt sehr hübsche Aufmachung. Eine deutsche Tonspur ist bei allen Filmen enthalten.

Also: Back to the 80's!

Donnerstag, 3. November 2011

Im Kino: Zwei an einem Tag


Wie sieht sie aus, die perfekte Literaturverfilmung? Nur eine der Fragen mit denen ich mich dieser Tage auch im Rahmen meiner Magisterarbeit befasse. Kaum einen wird verwundern, dass es keine allgemeingültige Antwort auf die Frage gibt. Selbst wenn Kategorien wie die so genannte Werktreue ein angeblicher Maßstab sein sollen.

Nachdem ich vor geraumer Zeit schon den Roman "Zwei an einem Tag" von David Nicholls verschlungen habe wie selten ein anderes Buch (siehe den Eintrag vom 01. August), stand für mich fest die Verfilmung des Bestsellers schon in der gestrigen Vorpremiere zu sehen. Und vielleicht sieht sie so aus, die perfekte Verfilmung.
Viel konnte für mich Dank der Beteiligung des Romanautors und der dänischen Regisseurin Lone Scherfig (die mich schon mit "An Education" von sich überzeugte) nicht mehr schief gehen und tatsächlich hat sich der Film keinerlei Fehler erlaubt. David Nicholls hat dafür gesorgt, dass alle für sein Gesamtkonzept relevanten Szenen Einzug in den Film gefunden haben, während Regisseurin Lone Scherfig für ein wunderschönes Retro-Feeling sorgt, das bei einer erzählten Zeitspanne von gut 20 Jahren unabdingbar ist. Mitunter kommt es einem tatsächlich so vor, als würde man einen Film der späten 80er bis frühen 90er Jahre sehen.
Bei der Besetzung gelang neben Anne Hathaway, die ihr Können schon vielfach unter Beweis stellen durfte, vor allem mit Jim Sturgess als Dexter ein wahrer Glücksgriff. Das bewegte Leben der Filmfigur verlangt auch ihm als Darsteller ganz unterschiedliche Gefühlslagen ab, die der 30-Jährige perfekt umzusetzen wusste. Letztlich stimmte auch die Chemie zwischen den Hauptdarstellern, so dass es auch auf der Leinwand so sehr knisterte wie zwischen den Buchseiten. Dafür sorgten vor allem kleine, zurückgenommene Gesten und Blicke. Gefreut habe ich mich auch über Romola Garai (die sich als Jane Austens "Emma" in mein Herz gespielt hat) in einer Nebenrolle und den schönen Soundtrack, der neben einem tollen Leitmotiv auch Erinnerungen an die dargestellten Jahrzehnte geweckt hat.

"Zwei an einem Tag" läuft ab heute regulär in den Kinos. Wer immer noch nach der perfekten Verfilmung sucht, könnte sie jetzt vielleicht finden.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Wicked: Vom Musical zum Disney-Film?

Vor ein paar Wochen hatte ich die Möglichkeit das Musical Wicked - Die Hexen von Oz zu sehen, das nicht nur am Broadway, sondern überall auf der Welt gigantische Erfolge verbucht. Nicht nur Musik und Tanz haben mich dabei restlos überzeugt, auch die Kostüme und das Bühnenbild sind phänomenal. Die Story selbst verbindet sich auf perfekte Weise mit dem Filmklassiker (bzw. Kinderbuch-Klassiker) "Der Zauberer von Oz" und sorgt für eine überraschende Sichtweise auf das Vorgängerwerk.

Ein paar Tage ist es jetzt her, dass ich eine interessante Entdeckung im Netz gemacht habe: Die Disney-Zeichnerin Heidi Jo Gilbert hat in ihrer Freizeit ein animiertes Storyboard zu Wicked und dem Song "Defying Gravity" erstellt, das sich absolut sehen lassen kann. So schwer wie ich mir auch einen Realfilm zum Musical (über den angeblich schon gesprochen wird) auch vorstellen kann, eine Disney-Version könnte fantastisch werden.

Defying Gravity Storyboards from Heidi Jo Gilbert on Vimeo.

Da einer der kreativen Köpfe hinter dem Musical Stephen Schwartz ist, der für die Disney-Studios arbeitet, wäre eine solche Umsetzung sogar im Bereich des Möglichen. Und das Anliegen von Heidi Jo Gilbert ist es, genau diesen von ihrer Vision zu überzeugen. Hoffen wir mal, dass es ihr gelingt!

Montag, 1. August 2011

In guten wie in schlechten Zeiten...


So genannten Bestsellern steht man meist mit einer gehörigen Portion Skepsis gegenüber. Schließlich muss man nicht zwangsläufig ein gutes Buch in Händen halten, nur weil es scheinbar den Geschmack vieler Leute trifft. Auch "Zwei an einem Tag" von David Nicholls ist mir zwischen Fantasy-Jugendbüchern, hisorischen Romanen und Thilo Sarrazin zunächst nicht weiter aufgefallen. Hin und wieder hatte ich es mal in die Hand genommen, den Klappentext gelesen und es schließlich doch wieder zu den anderen Bestsellern gestellt.
Vor einigen Wochen hatte ich das Buch dann mal wieder in der Hand und habe es glücklicherweise nicht wieder ins Regal zurückgestellt (ja, natürlich habe ich es bezahlt).

Emma und Dexter könnten verschiedener nicht sein und doch verbindet sie eine Seelenverwandschaft, die Autor David Nicholls über einen Zeitraum von zwanzig Jahren und exemplarisch jeweils an einem 15. Juli beschreibt. Dabei zeigt er wie wichtig es ist das Leben mit einem Vertrauten zu bestreiten - quasi gemeinsam einsam und in guten wie in schlechten Zeiten. Da jedes Kapitel einen Zeitsprung von einem Jahr beschreitet wird der Roman nie langweilig und es gilt die "Leerstelle" der übrigen 364 Tage zu ergründen.

Die Erkenntnis, dass das Leben nicht nur rosige Seiten hat, mag vielleicht nicht neu sein, Nicholls schafft es aber durch seinen hervorragenden Schreibstil unglaublich intensive Bilder hervorzurufen, die von  urkomisch bis hin zu tieftraurig reichen. Die Mentalität der verschiedenen Jahrzehnte von den späten 80er Jahren bis in die frühen 2000er Jahre fängt er dabei gekonnt ein.
Eine treffende Kritik stammt beispielsweise von Britta Jansen von der Berliner Literaturkritik, die schreibt Nicholls habe einen

"witzig-unterhaltsamen sowie melancholischen Roman gemacht. Zwei an einem Tag“ ist weitaus mehr als eine amüsante Liebeskomödie über ein ungleiches Paar. Es ist ein bitter-süßes Buch über das Leben als Reihe verpasster Chancen...."

Bereits im November läuft in den hiesigen Kinos schon die Verfilmung des Romans mit der zauberhaften Anne Hathaway und dem mir noch unbekannten Jim Sturgess an. Der Trailer für den Film war es auch, der mich noch einmal an das Buch erinnert hat und so schließlich zum Kauf geführt hat. Erfreulich ist, dass neben dem tollen Cast die Dänin Lone Scherfig für die Regie gewonnen werden konnte. Mit "An Education" hat sie einen meiner Lieblingsfilme der letzten Jahre gedreht und weiß es tolle Bilder auf die Leinwand zu bringen. Die ideale Frau also um die sprachlichen Bilder von David Nicholls stimmungsvoll umzusetzen. Hier der erste deutschsprachige Trailer:

Mittwoch, 2. Februar 2011

Vorfreude: Water For Elephants



Manchmal sieht man durch Zufall Filmtrailer, die einen sofort in ihren Bann ziehen. So ging es mir als ich vor einiger Zeit über den Trailer zu "Water For Elephants" gestolpert bin. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen New York Times Bestsellers von Sara Gruen und läuft (leider erst) ab April in den deutschen Kinos. Bei uns unter dem Titel "Wasser für die Elefanten".

Die Optik scheint angesichts des Zirkus-Settings phänomenal zu werden. Man merkt Regisseur Francis Lawrence seine Ursprünge im Bereich Musikvideo schon im Trailer an. So zeichnete er in der Vergangenheit unter anderem für die grandiosen Clips zu "What You Waitin' For?" von Gwen Stefani oder "Bad Romance" von Lady GaGa verantwortlich.
Die Story hingegen scheint episch zu werden und könnte in ihrer Dramatik an Filme wie "Titanic" anknüpfen. Einmal mehr entfaltet sich die Geschichte in Form von Erinnerungen. Reese Witherspoon und Robert Pattinson (der so endlich vom Twilight-Rummel ablenken kann) geben schon im Trailer ein tolles Paar ab und, dass Christoph Waltz einen prima Schurken abgibt wissen wir seit "Inglourious Basterds".

Definitiv ein Must-See im neuen Kinojahr 2011!

Samstag, 29. Januar 2011

Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?


 Der Film "Black Swan" mit Natalie Portman ist zur Zeit in aller Munde und auf nahezu jedem Blog findet man ein Posting über den Film. Auch ich mache da keine Ausnahme, aber als Filmstudent war es ja quasi meine Pflicht zu überprüfen, ob der Thriller von Darren Aronofsky dem Hype gerecht wird.

Der Inhalt dürfte hinreichend bekannt sein. Es geht um die Ballett-Tänzerin Nina, die den Doppel-Part der Schwanenkönigin und ihrer bösen Widersacherin in einer Neuinszenierung von Schwanensee bekommt. Aus dem lang ersehnten Traum wird allerdings ein Alptraum, als sie droht an der Rolle und der damit zusammenhängenden Belastung zu zerbrechen. Realität und Traum verwischen zunehmend und ähnlich der Rolle scheint sich auch Ninas Persönlichkeit in gut und böse aufzuspalten...

Es braucht schon eine Weile bis der Film an Fahrt gewinnt. Dann allerdings jagt eine verstörende Szene die nächste. Optisch kann der Film von Anfang an überzeugen. Der Kontrast von hell und dunkel zieht sich leitmotivisch durch den Film und die Choreografien werden toll in Szene gesetzt. Knackende und blutige Füße, die in Spitzenschuhe geschnürt werden zeugen vom harten Alltag professioneller Tänzerinnen. Der ebenso lüsterne wie strenge Ballettlehrer mit französischem Akzent kam sicher in vielen Filmen schon zum Tragen, doch ohne diese Figurenzeichnung wäre Ninas Verwandlung nur schlecht nachzuvollziehen gewesen. Natalie Portman überzeugt als Nina auf ganzer Linie und spielt mit einer Eindringlichkeit die in jedem Fall Oscar-würdig ist.

Insgesamt war "Black Swan" für mich jedenfalls ein sehr lohnenswerter Film. Weniger sperrig als Aronofskys "The Fountain" bietet der Film Spannung pur in schönen und bisweilen verstörenden Bildern. Die Musik von Tschaikowski ergänzt die Bilder perfekt.


Verwundert hat mich nur, dass bisher keinem die große Ähnlichkeit zu Satoshi Kons Film "Perfect Blue" (Trailer) aufgefallen zu sein scheint. Von einem Plagiat würde ich zwar nicht sprechen, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass Aronofsky diesen Anime-Klassiker aus dem Jahr 1997 kennen muss. Die Ähnlichkeiten liegen auf der Hand. So ist es bei "Perfect Blue" die Sängerin Mima (klingt etwas nach der guten Nina), die ins Schauspiel-Geschäft einsteigen will. Als sie eine Rolle in einer Krimiserie annimmt, leidet sie zunehmend an Verfolgungswahn und scheint ebenfalls an ihrer Rolle zu zerbrechen. Zudem wird sie von einem verrückten Fan verfolgt. Oder ist sie es am Ende gar selbst?